Letztes Schnattern im Gänsemarsch

Die burgenländische Weidegans erfreut sich großer Beliebtheit. Zur Gansl-Zeit werden rund 3000 Weidetiere verspeist.

Gänse
Artgerechte Haltung: Ein glückliches Gänseleben hat das Federvieh auf der Weide in Hagensdorf hinter sich.


Für manche Gans begann der letzte Marsch bereits Anfang Oktober. In der Zeit um den Martinstag schlägt dann dem Federvieh die letzte Stunde.
Da laut Legende das Schnattern der Gänse den heiligen Martin verriet und er so widerwillig zum Bischof wurde, geht es bis heute den Tieren an den Kragen. Gansl-Wochen stehen am Programm, egal ob im Gasthaus oder am heimischen Herd.

Die burgenländische Weidegans hat zwar nichts mehr mit dem heiligen Martin zu tun, erfreut sich aber rund um den 11. November immer noch großer Begehrlichkeit.

Zwölf bis 17 Weidegansbetriebe gibt es im Burgenland - die Zahl variiert von Jahr zu Jahr - etwa 3000 Stück Federvieh leben auf burgenländischen Weiden.
Siegfried Marth, Sprecher der burgenländischen Weidegans-Produzenten, hält mit seiner Schwester in Hagensdorf, Bezirk Güssing, rund 400 Gänse auf seiner Weide. Der Landwirt vergleicht die Gänse mit Wein. "Es gibt gute und schlechte Jahrgänge", erklärt Marth. Heuer habe es am Anfang der Saison nicht so gut ausgeschaut, mittlerweile sind es aber Spitzengänse.

"Die Marke burgenländische Weidegans hat sich in den vergangenen Jahren gut entwickelt, wir verkaufen unsere Tiere in ganz Ostösterreich", so der Landwirt.
Die Qualität der Weidetiere ist nicht mit Mastgänsen zu vergleichen. Auf einem Hektar Grund dürfen maximal 100 Gänse gehalten werden. Konventionelle Gänse werden bereits nach zwölf Wochen geschlachtet, Weidegänse erreichen hingegen ihr Schlachtgewicht erst nach 26 Wochen.

Reservieren

Auch kleine Betriebe vermarkten ihr Federvieh unter der Marke burgenländische Weidegans. "Wir haben nur Platz für 15 Tiere, es ist aber trotzdem viel Arbeit", erklärt Walter Kirnbauer aus Unterschützen. Seine Gänse sind immer schon im vorhinein verkauft, eine kommt in die eigene Küche.

Auch Siegfried Marth's Gänse sind oft schon im Vorjahr reserviert. "Wenn im September alle reserviert sind, holen nur etwa 90 Prozent der Leute ihre Gänse ab."Also gibt es die Weidegans vielleicht auch für Kurzentschlossene.


Artikel vom 11.11.2009 10:47 | KURIER | Roland Pittner

 

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